Weihnachtstag 1870 – Ein besonderes Geburtstagsgeschenk
Richard Wagners Frau Cosima wurde am Heiligabend 1837 geboren, feierte Weihnachten aber üblicherweise am ersten Weihnachtsfeiertag. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1870, nur wenige Monate nach ihrer lang ersehnten Hochzeit (25. August 1870 in Luzern), beschloss Wagner, seiner Frau ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk zu geben.
Nachdem zuvor alle Proben im Geheimen stattgefunden hatten, dirigierte er die Uraufführung des Siegfried-Idylls auf den Stufen außerhalb ihres Schlafzimmers in der Villa Tribschen in Luzern, wo sie sich aufhielten. Das nennen wir mal ein Privatkonzert!
Es war kein großes Orchester, aber Wagner sorgte dafür, dass die Musiker von höchster Qualität waren. Darunter waren Hans Richter an der Trompete und etwa ein Dutzend weitere Instrumentalisten des Tonhalle-Orchesters Zürich. Es war ein doppelter Grund zum Feiern: Cosimas 33. Geburtstag und die Freude darüber, endlich eine „offizielle“ Familie zu sein.
Heiligabend 1882 – Ein Abschiedsauftritt
Am Heiligabend 1882 dirigierte Richard Wagner zum allerletzten Mal. Das Konzert war erneut ein privates Fest zu Ehren des Geburtstags seiner Frau Cosima. Es fand im Apollinée des Teatro La Fenice in Venedig statt. Neben seiner Frau Cosima saßen im Publikum ihre Kinder und Cosimas Vater Franz Liszt.
Aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustands konnte Wagner das Konzert nicht vollständig dirigieren, und sein Schüler Engelbert Humperdinck übernahm den Taktstock.
Nur 51 Tage später starb Richard Wagner noch in Venedig (am Nachmittag des 13. Februar 1883) im Palazzo Vendramin Calergi. Heute beherbergt das Gebäude das Richard-Wagner-Museum, in dem zahlreiche Originaldokumente zu Wagners letztem Winter in Venedig ausgestellt sind, darunter Partituren und Briefe.