Einführung
Schon in ihren frühesten Anfängen als Musikinstrument galt die Wagnertuba als umstritten. Sogar ihr Name stiftet Verwirrung. Obwohl er das Wort Tuba enthält, handelt es sich dabei aber tatsächlich um eine Art des Horns. Es wird das gleiche Mundstück wie beim Horn benutzt, und sie wird von traditionellen Hornisten gespielt. Ihre Geschichte, Entwicklung und ihre Qualitäten als Instrument werden nur sehr vage und häufig falsch dargestellt.
Der Ton der Wagnertuba wird zu Recht wegen seiner Vornehmheit und Erhabenheit bewundert. Dennoch können ihre hybride Bauweise und ihr limitiertes Repertoire manchmal zu Intonationsproblemen bei j vor allem ungeübten Waldhornspielern führen. Ihr Gebrauch und ihre Notenschrift gab auch einigen angehenden Komponisten Rätsel auf. Die Schwierigkeit der Notenschrift führte oft zu Verwirrung hinsichtlich der Transposition für den Spieler. (Foto rechts: B-Wagnertuba)
Das Konzept
Die Wagnertuba wurde von Richard Wagner (1813-1883) im Sommer 1853, während seines Züricher Exils, konzipiert. Er arbeitete gerade am “Rheingold” und hatte dafür ein Quartett von Instrumenten im Sinn, die er “Tuben” nannte. Das Valhalla-Motiv der Oper war ursprünglich für Posaunen vorgesehen, die aber dann im orchestralen Entwurf durch die Tuben ersetzt wurden.
Wagner hatte bei der Gestaltung der Wagnertuba sehr wahrscheinlich das antike nordische Horn der Bronzezeit oder die Lure im Sinn. Ziel sollte sein, die Lücke in der Klangfarbe zwischen Horn und Posaune zu schließen und somit die Klänge der Bläsersätze besser zu vermischen. Dadurch, dass sie eine kleine Tuba war, konnte sie außerdem den Klang der neuen Basstuba (hergestellt 1835) zusammen mit dem Klang des Horns in sich vereinen. Das Wagnertuba-Quartett war außerdem dazu in Lage, als eigenständiger Chor zu fungieren.
* Sonderbeitrag: Ottensteiner: die erste Wagnertuba *
Wagnertuba Heute
Heute wird die Wagnertuba üblicherweise als alternatives Doppelinstrument zum Horn in einem Quartett eingesetzt, das aus zwei Tuben (gespielt vom 5. und 6. Horn) und zwei Basstuben (gespielt vom 7. und 8. Horn) besteht. Orchester, Musikschulen und Konzerthäuser erwerben in der Regel vier Wagnertuben als Set.
Bis vor relativ kurzer Zeit besaßen nur wenige Hornisten eine eigene Wagnertuba. Mittlerweile interessieren sich jedoch immer mehr Komponisten und Blechblasinstrumentenhersteller für das Instrument, und es ist häufiger in öffentlichen Aufführungen zu sehen.
Zu den zeitgenössischen Komponisten, die bedeutende Werke für die Wagnertuba als Soloinstrument oder in Quartetten/Oktetten geschrieben haben, gehören Stephen Caudels Edel-Rhapsodie für Solo-B-Tenor Wagnertuba und Orchester und Andrew Downes’ Fünf Dramatische Stücke für acht Wagnertuben.
